Angeln auf Winterdorsch

Der Kabeljaufang am Malangsgrunnen

An der weit vorgelagerten Küste, von Røst und weiter nach Norden bis Vannøya in Nord-Troms ist die Fischerei auf den Skrei (Winterdorsch) in vollem Gange. Den Skrei gibt es hier nicht nur in großen Mengen, er ist auch von außergewöhnlich guter Qualität. Das kann teilweise damit erklärt werden, dass er hier dem Hering auf dessen küstennaher Laichwanderung folgt. Und dann sind da noch große Mengen von Lodden, die ebenfalls an die Küste kommen, um dort zu laichen. Normalerweise kommt die nach Westen gerichtete Laichwanderung der Lodden nicht jedes Jahr vor. Nach Aussage des Instituts für Meeresforschung neigen die Lodden eher dazu, vor der Küste der Finnmark zu laichen – und tragen so dazu bei, dass hier bei der traditionellen Frühlingsfischerei in erster Linie jüngere Dorsche gefangen werden, die den Lodden an die Küste folgen. Aber für die großen Dorsche stellt die westliche Laichwanderung der Lodden keinen Nachteil dar, da sie an ihren eigenen Laichplätzen stehen und gleichzeitig reichlich Lodden fressen können. Ein gutes Beispiel hierfür ist der gut 30-pfündige Skrei, der auf dem Bild zu sehen ist. Er wurde Mitte März am Malangsgrunnen gefangen. Er wog 15 kg und hatte neben Rogen auch noch 2 bis 3 Kilo Lodden im Bauch.

Skreibilde Malangsgrunnen

Angeltipps

Wenn die Skreis gerade Lodden fressen, was meist morgens der Fall ist, lassen sie sich am besten fangen. Sobald sie sich satt gefressen haben, sind sie nur noch schwer an den Haken zu bekommen. Wenn Skreis aktiv Jagd auf Lodden machen, kann es schwierig sein sie zu finden, da sie den Loddenschwärmen folgen und somit immer in Bewegung sind. Sicher, man kann die Fische mithilfe eines Echolotes lokalisieren und gleich beim ersten Ablassen des Köders erfolgreich sein. Doch wenn man kurze Zeit später über dieselbe Stelle driftet, sind die Fische oft schon wieder woanders unterwegs. Eine gute Taktik ist es, die Fische nicht ständig neu zu suchen, sondern sich stattdessen einfach von Wind und Strömung treiben zu lassen und sicherzustellen, dass die ganze Zeit ein Köder im Wasser ist. So wird man immer wieder auf Fische stoßen – und fangen.

Ein wichtiger Punkt beim Dorschfischen ist, dass die Fische kurz nach der Landung ausgenommen werden sollten, da sich die Qualität des Fleisches sonst rasch verschlechtert. Es wird empfohlen, Dorsche innerhalb von vier Stunden nach dem Fang auszunehmen.

Wann können wir mit dem Angeln auf Skrei beginnen?

Die ersten Skrei-Fänge werden in der Regel kurz vor Weihnachten gemeldet. Das ist der Saisonbeginn für die Skrei-Fischerei, die meist bis Ende April betrieben wird. Dies ist die Zeit, in der die Skreis aus der Barentssee an die Küste kommen. Auch wenn die Skreis bereits im Frühwinter in den äußeren Küstenregionen eintreffen, sollte man nicht unbedingt weit hinaus fahren, wenn die kalten Winde toben. Zwar beginnen die Berufsfischer schon früh im Jahr, doch sind es wahrscheinlich die zweite Märzhälfte und vor allem der April, die am besten für die Fischerei geeignet sind, da das Wetter in dieser Zeit meist wesentlich besser ist. Oft ist es dann milder und weniger windig als im Januar und Februar. Darüber hinaus sind die Tage bereits viel länger, was wichtig ist, wenn man weit zu den Fischgründen hinausfährt. Ich persönlich brauche mindestens anderthalb Stunden, um mit einer Geschwindigkeit von 20 Knoten vom Hafen in Tromsø zum Malangsgrunnen zu gelangen, wo große Schulen von Skreis auf mich warten.

Fahren Sie nur bei gutem Wetter raus!

Bevor Sie sich zu den Fischbänken begeben, sollten Sie die Windverhältnisse und  Wellenbedingungen sorgfältig prüfen. Ich selbst besitze ein 24 Fuß langes Schnellboot, doch obwohl es ein breites und stabiles Boot ist, kann es von starken Winden leicht erwischt werden. Und wenn das Boot in hohen Wellen rollt, macht auch das Angeln nicht viel Spaß. Aus diesem Grund schaue ich mir vor jeder Ausfahrt die Wind- und Wettervorhersage auf YR.NO an, und zusätzlich auch die Messwerte von Seawatch: http://seawatch.mg.uoa.gr/. Wenn der Wind schwach ist und schon seit mehreren Tagen aus südöstlicher Richtung kommt, sind die Bedingungen am besten. Dann herrschen keine starken Strömungen und die Wellen sind nicht so hoch. Um zu schnelles Driften zu vermeiden, verwende ich einen Treibanker. Dieser hilft das Boot in Position zu halten und trägt dazu bei, die Auswirkungen der Wellen zu lindern.

Was tun mit all den Fischen?

Die Skreis sind in der Regel groß, Fische mit einem Gewicht von 15 bis 20 Kilogramm sind nicht ungewöhnlich. Natürlich ist es aufregend, solche großen Fische an den Haken zu bekommen, aber es wird auch schnell ermüdend für die Arme, denn die Skreis müssen oft aus 80 bis 100 Meter Tiefe nach oben geholt werden. Viele Einheimische fischen deshalb gerne mit einer am Boot befestigten Rolle. Wenn das Wetter gut ist und der Fisch beißt, können Ihnen schnell reichliche Fänge gelingen. Skrei wird in Norwegen frisch gegessen, zum Trocknen aufgehängt, gesalzen oder eingefroren. Norwegische Freizeitfischer dürfen pro Jahr bis zu 1333 kg ausgenommenen und geköpften Skrei bzw. Dorsch anlanden und auch verkaufen (Stand 2013). Angler aus dem Ausland hingegen dürfen bis zu 25 kg selbstgefangenen Fisch aus Norwegen ausführen.

 

Artikel
Adventeuer Dorsch- und Skrei-Fischerei an den Außenküsten
Von Geir Sogn-Grundvåg