Angeln auf Heilbutt, die Königin des Meeres

Catching beautiful halibut with the “shad jig”

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Hier im Norden haben wir viele schöne, faszinierende und schmackhafte Fische. Der Dorsch mit seinen winterlichen Laichwanderungen zur Küste war schon immer von großer Bedeutung für die Fischindustrie und die Siedlungen in dieser Gegend. Und traditionelle Gerichte wie „Mölja“ im Januar und „Lutefisk“ im November erfreuen sich großer Beleibtheit, und zwar sowohl im Süden als auch im Norden von Norwegen. Ein weiterer sehr guter Fisch ist der Steinbeißer, der mit seinen furchterregenden Zähnen in der Lage ist, alle möglichen Schalentiere zu knacken. Der Köhler ist ebenfalls ein großartiger Fisch, und obwohl er in den Exportmärkten nicht sonderlich begehrt ist, so ist er doch ein  hervorragender Speisefisch. Köhlerfilets mit Zwiebeln – einfach lecker! Im Sommer ist der Köhler ein begehrter Fisch, der gerne mit Handleine und Rute gefangen wird, und gekochte Köhlerleber mit Kichererbsen ist ein beliebtes Festessen an der Küste, wenn die Mitternachtssonne die schneebedeckten Berggipfel beleuchtet.

 

Warum wird der Heilbutt als „Königin des Meeres“ bezeichnet?

Aber – der Heilbutt schlägt sie alle. Der Heilbutt ist die unbestrittene Königin unserer Salzwasserfische – oder, wie Petter Dass den Heilbutt in den späten 1600er Jahren beschrieb: „Der leckere Heilbutt, die Königin des Meeres“. Der Heilbutt besitzt einen hohen Stellenwert, und wir wissen, dass er diesen schon in der Steinzeit vor rund 6000 Jahren besaß, als Bilder von Heilbutten neben solchen von anderen wichtigen Beutetieren wie Elchen, Bären, Karibus und Walen in die Felsen geritzt wurden. Der Heilbutt ist ein mythischer Fisch, mit dem viele Rituale verbunden sind. Dass man eine gehörige Portion Glück benötigt, um einen Heilbutt zu fangen, ist bekannt. Und traditionell heißt es: wenn ein Mann es nicht schafft, zu Weihnachten eine Heilbutt-Mahlzeit zu liefern, muss er den Heiligabend sitzend auf dem Dach des Bootshauses verbringen.

Vermehrte Fänge?

Heutzutage ist der Heilbutt ein geschätzter und bei Anglern begehrter Fisch. Der kommerzielle Fang von Heilbutt war seit den 1960er Jahren rückläufig. Damals lag die Gesamtfangmenge bei rund 5000 Tonnen pro Jahr, im Laufe der 1980er Jahre bis Ende der 1990er Jahre beliefen sich die Heilbuttfänge nördlich von 62° N auf etwa 200 Tonnen pro Jahr, der Heilbutt galt in dieser Zeit lediglich als Beifang. Die Heilbuttbestände waren nicht besonders groß, und südlich von 62° N sowie in der Nordsee ist die Population auch heutzutage noch recht klein. Zum Glück sind die Bestände in den letzten 10 bis 12 Jahren nördlich von 62° N wieder angestiegen. Fischereiforscher konnten auf ihren jährlichen Forschungsfahrten einen deutlichen Anstieg der Fischbestände verzeichnen, vor allem beim Heilbutt gab es starken Zuwachs. Und Langleinenfischer, die in der Vergangenheit vor allem Dorsch und Schellfisch fingen, fangen mittlerweile wieder an fast jeder ausgelegten Leine einen oder mehrere Heilbutte. Seit sich wieder vermehrt große Heilbutte fangen lassen, haben mehrere Berufsfischer nun die Vorteile von Heilbuttnetzen erkannt. Im vergangenen Herbst fing der Berufsfischer Tom Rickard Kristiansen vor Sørøya mit dieser Methode einen Heilbutt von 314,5 kg. Im Spätherbst, der besten Zeit für die Netz- und Leinenfischerei auf Heilbutt, musste die norwegische Fischwirtschaftsorganisation aufgrund der großen Fangmengen immer wieder den Mindestpreis anpassen.

Für den Anstieg der Heilbuttbestände im hohen Norden gibt es mehrere mögliche Erklärungen. Zwei wichtige Gründe sind wahrscheinlich die veränderten Garnelenschleppnetze sowie das Verbot der Schleppnetzfischerei auf Garnelen in den Fjorden. Zudem ist der Heilbutt aufgrund seiner über viele Jahre hinweg geringen Verbreitung immer weniger gezielt befischt worden.

Der Heilbutt – Lieblingsfisch der Angler

Einheimische Freizeitfischer und Angler fangen eine Menge Heilbutt. Aber die besten Heilbuttfischer sind ausländische Angeltouristen, die ihren Urlaub in den zahlreichen Angelcamps auf den Lofoten sowie auf Senja, Kvaløya, Vannøya, Sørøya und vielen anderen Orten entlang der Küste verbringen. Eine sehr interessante Frage ist, warum gerade die Touristen so viel Heilbutt fangen. Haben sie eine spezielle Technik, die wir – die lokalen Angler – noch nicht kennen?

Ein wichtiger Grund dafür, dass sie so viel Heilbutt fangen, ist die Tatsache, dass sie viel mehr Zeit investieren als wir. Viele von ihnen verbringen hier ein- bis zweiwöchige reine Angelurlaube, und viele von ihnen betreiben die Fischerei bei Tag und bei Nacht. Aber der hohe Zeitaufwand ist nicht die einzige Erklärung. Viele setzen auch neuartige Fangtechniken ein, die sehr wirkungsvoll sind – und ich denke da in erster Linie an das Angeln mit dem berühmten „Shad Jig“. Dieser Köder ist besonders gut für das Angeln auf Heilbutt geeignet, wie ich gelernt habe. Diese Gummifische, die in vielen Größen und Farben erhältlich sind, bewegen sich im Wasser sehr lebendig. Vor fünf Jahren habe ich das Fischen mit diesem Köder zum ersten Mal an einem guten Heilbuttplatz in der Nähe von Tromsø ausprobiert – und konnte auf diese Weise innerhalb von drei Stunden drei Heilbutte zwischen 5 und 18 Kilo fangen. Das waren ungefähr so viele Heilbutte, wie ich zuvor in meiner gesamten Karriere als Angler gefangen hatte.

Mit anderen Worten: dies ist eine kleine „Angler-Revolution“. Und weitere Touren haben bewiesen, dass dies kein Zufall war. Der „Shad Jig“ sorgt regelmäßig für sehr gute Heilbuttfänge. Ich selbst habe von den Angeltouristen viel gelernt und kann jedem nur empfehlen, sich auch einige dieser „Shad Jigs“ zuzulegen und es damit auf Heilbutt zu probieren!

Nützliche Erkenntnisse über den Heilbutt

Weil der Heilbutt über viele Jahre hinweg sehr wenig wirtschaftliche Bedeutung hatte, fand nur wenig Forschung hinsichtlich seiner Biologie und seines Verhaltens statt. Deshalb gibt es relativ wenig Forschungserkenntnisse über den Heilbutt und seine Lebensgewohnheiten. Aber es gibt ein paar Fakten, die uns bekannt sind. Zum Beispiel, das große Heilbutte, die mehr als hundert Kilogramm wiegen, immer weiblich sind und dass diese Fische mehr als 50 Jahre alt werden können. Bekannt ist auch, dass der Heilbutt erst im Alter von zehn Jahren geschlechtsreif wird, wodurch die Bestände recht anfällig für Überfischung sind. Der Heilbutt laicht im Februar und März, zur Paarung versammeln sich die laichreifen Exemplare in den Fjorden auf 300 bis 700 Meter. Da sich die Heilbutte an den Laichplätzen in großen Mengen sammeln, ist es relativ leicht, sie dort mit Netzen zu fangen. Es ist daher verboten, in der Zeit zwischen dem 20. Dezember und dem 31. März auf Heilbutt zu fischen.

Wo kann man den Heilbutt findet

Es gibt Hinweise darauf, dass der Heilbutt viel aktiver ist, als bisher angenommen. Lange glaubte man, dass der flache Heilbutt, der keine Schwimmblase besitzt, die meiste Zeit faul am Grund liegt. Aber das Havforskningsinstituttet (Institut für Meeresforschung) führte Untersuchungen mit Peilsendern an Heilbutten durch und fand so heraus, dass die Fische besonders in der Zeit zwischen März und Juli recht aktiv sind. Die Untersuchungen ergaben auch, dass Heilbutte oft täglich die Wassertiefe wechseln, und zwar von 500 Metern bis an die Oberfläche, was beweist, dass der Heilbutt ein ausgezeichneter Schwimmer ist und über enorme Kräfte verfügt. Diejenigen, die schon mal einen dieser Fische am Haken hatten, können dies sicher bestätigen. Heilbutte fressen auch andere Fischarten wie Köhler, Schellfisch, Dorsch, Lodde und Hering.

Heilbutt in der Küche

Der Heilbutt ist ein großartiger Speisefisch, aber er ist hitzeempfindlich und sollte daher nicht zu lang gebraten oder gekocht werden, da das Fleisch dann zu trocken wird. Mein Lieblingsessen ist im Ofen gebackener, ganzer Heilbutt (4-6 kg). Hierzu schneiden Sie ein Raster in die Haut und marinieren diese anschließend mit Salz und Pfeffer. Legen Sie den Heilbutt in einen Bräter mit einem Fleischthermometer und schieben Sie ihn in den auf 160 Grad geheizten Backofen. Nehmen Sie die Heilbutt einmal die Kerntemperatur bei 47 bis 48 Grad, dann lassen Sie es ein paar Minuten ruhen, bevor Sie dienen. Dies würde das Fleisch von den Knochen perfekt gleichzeitig sicherzustellen, dass es saftig und gut bleibt lockern.

Artikel:

Heilbutt – Königin des Meeres

Geir Sogn-Grundvåg